Articles tagged with: Schwäbisches Tagblatt

Jürgen Haug – Torwarttrainer und Mentor unserer Keeper beim FCR im Porträt


Jürgen Haug, 59

Mit Tüftlergeist

Fußball-Landesliga Seit fünf Jahren ist Jürgen Haug Torwarttrainer des FC Rottenburg. Dabei wollte der Mittelstädter wegen der Fahrstrecke erst gar nicht kommen. Von Tobias Zug
Vor fünf Jahren suchte der damalige Landesliga-Trainer des FC Rottenburg Osman Stumpp einen Torwarttrainer für sein Team. Der Mössinger Wolfgang Poddig, Fußballschulenleiter und Talent-Scout, empfahl ihm dabei Jürgen Haug. Der trainierte damals schon sporadisch in Nehren und Ofterdingen Torhüter, war beim TSV Gomaringen II Trainer und Torwart. Stumpp rief also Haug an – der sagte aber erstmal ab. „Ich hatte da Bedenken wegen der Fahrerei immer von meinem Wohnort Mittelstadt“, erläutert Haug. Und empfahl Stumpp andere Kandidaten.
Mit denen ist Stumpp sich nicht einig geworden, weshalb er nochmals Haug kontaktierte; er solle doch einfach mal kommen und ein Training mit den beiden FCR-Keepern leiten. Die hießen Tobias Wagner und Maximilian Blesch. „Mein allererstes Training mit denen vergesse ich nie“, sagt Haug, „das, was die zwei absolviert haben, das war der Wahnsinn!“ Haug
war angetan vom Engagement der beiden, „der Ehrgeiz hat mich fasziniert“, sagt Haug, „ich kannte das bisher so noch gar nicht.“
Selbst Übungsgeräte gebastelt
Stumpp meldete sich wieder: „Was hast du mitmeinen Jungs gemacht? Die waren ganz begeistert!“ Und Haug sagte zu. Trotz der dreißig Kilometer vom Reutlinger Stadtteil nach Rottenburg. Stumpp ist nicht mehr da, Wagner auch nicht – aber Blesch seit dieser Saison wieder, nachdem der Torhüter kurz nach Haugs Engagement in Rottenburg zum SV Hirrlingen gewechselt ist. Während er beim SVH „nicht so konstant“ Torwarttraining hatte, genieße er dieses jetzt unter Haug in Rottenburg: „Durch Jürgen habe ich die zweite Luft bekommen“, sagt der 30-jährige Blesch, „ich muss sagen, seit ich in der Jugend bei den Stuttgarter Kickers war, hatte ich nicht mehr so ein gutes Torwarttraining.“ Haug sei kreativ, „er lässt sich immer was Neues einfallen, kein Training ist wie jedes andere, und er geht auch auf spezielle Wünsche ein“.
Haug war früher selbst Torhüter, unter anderem in Mittelstadt und Walddorf, war beim SV Walddorf Jugendtrainer. Ab und zu besuchte er Torwarttraining-Schulungen, einen Torwarttrainer-Schein aber hat er nicht. „Aufgrund meines fortgeschrittenen Alters habe ich den nicht gemacht“, sagt der 59-Jährige. Bei anderen Trainern schaut er sich was ab. Insbesondere der Spanier Inaki Cana Pavón hat es ihm dabei angetan, der aktuelle Torwarttrainer von Arsenal London, dessen Trainingseinheiten er im Internet verfolgt. „Das ist sehr strukturiert“, sagt Haug, „auch wenn du Profitraining nicht auf die Landesliga eins-zu-eins übertragenkannst.“
Allerdings sei der FC Rottenburg schon recht professionell ausgestattet. So gibt es Air-Dummys, die beispielsweise als Freistoßmauer
oder Hindernisse beim Flankentraining benutzt werden können. Und Haug ist selbst erfinderisch bei seinen Übungen: Er bastelte selbst eine Schanze, die Bälle ablenkt, oder auch ein Brett, das er in den Händen hält, mit dem er zugespielte Bälle steuert.
Julian Häfner: „Mein Projekt“
Ein Mal die Woche, bei Wunsch auch öfter, trainiert Haug mit den FCR-Torhütern Blesch, David Schiebel und Mohammed Mehri. Wobei Mehri direkt nach dem ersten Training in die Klinik musste, weil er sich den Finger ausgekugelt hatte und jetzt wieder verletzt ist. Dazu kommt noch A-Jugendtorwart Julian Häfner. „Das ist mein Projekt“, sagt Haug über den Altenrieder, den er als B-Jugendlichen zum FCR lotste. Seither fahren Häfners Eltern oder er den Youngster zum Training und Spiel.
Bis nächsten Dienstag ist Haug noch im Urlaub in Kroatien. Dort
besucht er wie in den vergangenen Jahren seinen Freund Ivan Baric, der als Trainer vor über zwanzig Jahren Haug zum TSV Gomaringen holte und mit 72 Jahren noch eine Mannschaft in Kroatien coacht. In Gomaringen arbeitete Haug später auch erstmals mit dem jetzigen FCR-Trainer Frank Eberle zusammen, als der die erste und Haug die zweite Mannschaft trainierte. „Jürgen hat ein sehr, sehr angenehmes Wesen“, sagt Eberle. All diese positiven Rückmeldungen, diese Wertschätzung, sagt Haug, „die habe ich noch nie so erlebt wie in Rottenburg“.

Der Torwart-Freund: Jürgen Haug umarmt Tobias Wagner nach der Rottenburger Bezirksliga-Meisterschaft vor zwei Jahren.
Bild: Ralph Kunze

Textquelle: Tobias Zug, Schwäbisches Tagblatt am 24.09.2021

Nachruf für Erwin Seelmann und Adelbert Stopper – zwei ehrbare Mitglieder


Traueranzeigen Schwäbisches Tagblatt/ Rottenburger Post vom 28. und 29.05.2021


 

Wir nehmen Abschied von Erwin Seelmann †

*27.1.1934  †22.5.2021
 

Vollblutstürmer mit Goldener Ehrennadel

Der FC Rottenburg trauert um ein ehemaliges Mitglied unserer Fußballerfamilie. Unerwartet und tief betroffen mussten wir erneut inmitten der Corona-Pandemie die traurige Nachricht zur Kenntnis nehmen, dass am Samstag, den 22.05.2021 unser langjähriges Vereinsmitglied Erwin Seelmann im stolzen Alter von 87 Jahren verstorben ist. Sein für uns alle unerwarteter Tod hat uns alle sehr schockiert und unsagbar traurig gemacht. Denn noch bei der letzten Mitgliederversammlung am 5. Oktober 2020 (beide Bilder) konnte FCR-Vorsitzender Frank Kiefer dem freudestrahlenden Erwin Seelmann zur 60-jährigen Mitgliedschaft gratulieren und ehren.
Erwin war Teil unserer Aktiven Fußballer und absolvierte in der 1. Mannschaft der Herren insgesamt 242 Spiele, dabei debütierte er am 04.09.1960 beim 3:1-Sieg gegen die Spvgg Mössingen unter Trainer Josef Johner in der A-Klasse (heute Bezirksliga) im besten Fußballalter von 27 Jahren. Seelmann war Vollblutstürmer und so konnten seine Trainer ihn überall einsetzen. Bevorzugte Position war Halbrechter bzw. Rechter Stürmer, aber auch als klassischen Mittelstürmer oder später im offensiven Mittelfeld konnte man den immer eifrigen und kämpferischen Angreifer einsetzen. In der Saison 1963/64 wurde Seelmann unter Kapitän Johann Elmer sogar zum Vizekapitän ernannt.
Auf Seelmann war am Spieltag immer Verlass, egal wo man ihn einsetzte. Dabei konnte er in der Ersten als auch bei seinen zahlreichen Einsätzen in der 2. Mannschaft fast in jedem Spiel einen Treffer erzielen. Egal wo er spielte, auf ihn war bezüglich der Trefferquote Verlass.
Als Kapitän der 2. Mannschaft war er Teil der Meistermannschaft 1966/67 in der C-Klasse, parallel dazu konnte sich die 1. Mannschaft ebenfalls den Meistertitel sichern.
Erstmal in der Vereinsgeschichte konnten somit 1966/67 die Aktiven des FCR das Double gewinnen. Dafür gab es vom Verein für die Aktiven-Spielführer die Goldene Ehrennadel. Der damalige erste Vorsitzende Carlheinz Rosenow ehrte die beiden Kapitäne Helmut Flach für die Meisterschaft der 1. Mannschaft und Erwin Seelmann, der damals aufgrund der herausragenden Spieldichte in die zweite Mannschaft als Kapitän berufen wurde, für das Double.
Neben dem aktiv Fußballspielen, engagierte er sich im Trainergeschäft im Juniorenbereich und organisierte dabei jahrelang an seinem Stammtisch ein Spendenkässchen für die Jugend im FCR. Dabei übergab er den Erfolg dieser Aktion immer zu Saisonbeginn als Ballspende meist für die Bambini-Mannschaften.
Ein wunderbarer Mensch ist von uns gegangen. Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie und den Angehörigen. Wir werden Erwin Seelmann ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Wir nehmen Abschied von Adelbert Stopper †

*17.9.1942  †26.5.2021

Mister Turnierleitung

Nach längerer Herzkrankheit verstarb Adelbert Stopper 79-jährig doch für alle unerwartet und für uns viel zu früh. Mit Bedauern hat der FC Rottenburg 1946 e.V. die Nachricht vom plötzlichen Tod seines Mitglieds Adelbert Stopper zur Kenntnis nehmen müssen.
Der gebürtige Baisinger war angesehenes Mitglied in der Freizeit-Sportgruppe und der Senioren-Abteilung des FC Rottenburg. So übernahm er unter anderem noch bis 2014 bei den international traditionellen AH-Hallenturnieren des FC Rottenburg das wichtige Amt des Turniersprechers, außerdem war er bei vielen Aktivitäten als Helfer dabei.
Stopper spielte gerne Fußball, hatte aber nie das Talent um im Aktivenfußball Fuß zu fassen, deshalb schloss der bekennende FC-Bayern-Fan sich den Senioren und später der Freizeit-Sportgruppe an um sportlich fit zu bleiben.
Denn dort war Fußball zwar auch Thema, aber die Geselligkeit stand dabei bei ihm Vordergrund. So war er in regelmäßiger Runde unter anderem mit Theo Seelmann und Dieter Wacker gerne nach dem Sport noch in geselliger Runde im Sportheim.
Die Bilder zeigen Adelbert Stopper bei der Weihnachtsfeier des FCR (links) und bei der Mitgliederversammlung (rechts), indem er vom damaligen FCR-Vorsitzenden Thomas Mickeler die Vereinsehrennadel angesteckt bekam.
Wir vom FC Rottenburg gedenken einer FCR-Senioren-Legende und bewahren auch Adelbert Stopper stets ein ehrendes Andenken.

“Mach´s gut ihr Beiden”

Die heuer 75 Jahre bestehende FC-Familie werden die beiden ehrenwerten FCR-Mitglieder in bester Erinnerung behalten.

Max Besuschkow in seiner zweiten Saison beim Zweitligisten Jahn Regensburg


Nochmal gewachsen

2. Fußball-Bundesliga Der Rottenburger Max Besuschkow hat mit dem SSV Jahn Regensburg Vereinshistorisches geschafft. In einer unvergleichlichen Saison.
Am Schluss hatten es die Regensburger noch einmal spannend gemacht: Nachdem sie am 24. Spieltag noch auf einem beruhigenden elften Tabellenplatz standen, gewannen sie nur eines der nächsten 9 Spiele und gerieten noch in Abstiegsgefahr. Doch es reichte zum Klassenverbleib. So bleibt der SSV Jahn im fünften Jahr in Serie Zweitligist – einmalig in seiner Vereinsgeschichte, selbst wenn der 1907 gegründete Vorgängerverein TB Jahn einbezogen wird. Und im DFB-Pokal schaffte es der Klub bis ins Viertelfinale, in dem er gegen den jetzt aus der 1. Liga abgestiegenen SV Werder Bremen verlor.
Einer, der daran keinen unwesentlichen Anteil hat, ist der Rottenburger Max Besuschkow: In seiner zweiten Saison beim SSV Jahn gehörte der defensive Mittelfeldspieler erneut zu den Stammspielern und Leistungsträgern, fehlte nur in zwei Punktspielen wegen einer Muskelverletzung. „Ich bin nochmal auf dem Platz gewachsen, gehöre zu den Führungsspielern“, sagt Besuschkow, „das verlangt der Trainer auch von mir.“ So gehörte Besuschkow in der abgelaufenen Saison auch dem Mannschaftsrat an. Trotz seiner erst 23 Jahren, mit denen er zu den Jüngeren im Team zählte. „Das Alter spielt keine Rolle, ich habe mit 23 im Fußball schon viel gesehen und erlebt, war im Ausland“, erläutert Besuschkow, „das haben manche mit 30 nicht.“

„Ich habe mit 23 im Fußball schon viel gesehen und erlebt. Das haben manche mit 30 nicht. “Max Besuschkow ist in dieser Saison zum Führungsspieler gereift beim SSV Jahn Regensburg, erzielte in 32 Punktspiel-Einsätzen 3 Tore. FOTO: ULMER Pressebildagentur


Fitnesstrainer aus Pliezhausen
Auch diese abgelaufene Saison erweitert seinen Horizont um bis dahin so nicht gemachte Erfahrungen: eine ganze Runde ohne Fans, wegen der Corona-Bestimmungen fast isoliert von der Außenwelt. „Die Stadt kenne ich nur aus Vor- Corona-Zeiten“, sagt Besuschkow, „mein Leben spielte sich praktisch zwischen Wohnung und Trainingsplatz ab, höchstens mal zum Einkaufen ging es woanders in die Stadt.“ Besuschkow wohnt mit seiner Freundin zusammen, die im 40 Kilometer entfernten Straubing bei einer Bank arbeitet.
Auch sie habe ihren Anteil, dass Besuschkow die vergangenen Jahre so fit war und kaum fehlte: „Sie kocht sehr gesund und abwechslungsreich.“ Dazu arbeitete der Rottenburger in der Vorbereitungszeit mit Fitnesstrainer Sebastian Marcard aus Pliezhausen.
Seit dem gestrigen Mittwoch hat Besuschkow Urlaub, eventuell fliegt er mit seiner Freundin ein paar Tage weg. Ganz abschalten vom Sport wird er da wohl nicht: „Das hält maximal ein, zwei Tage, dann juckt es mich im Fuß.“ Und er muss sich körperlich betätigen, ob Tennis oder Fußball, egal. Die am 11. Juni beginnende Europameisterschaft wird der einstige deutsche Junioren-Nationalspieler im Fernsehen anschauen.
Besuschkow verfolgt dabei auch intensiv die Spiele Russlands: Der 23-Jährige hat russische Eltern, seine Großeltern wohnen in Nowosibirsk, in Sibirien. Mit seinem Großvater kickte Besuschkow als kleiner Junge immer im Garten, wenn er mit seiner Familie dort zu Besuch war. „Sie rufen heute noch jedes zweite Wochenende an und gratulieren, wenn wir gewonnen haben.“ Vielleicht sehen sie ihren Enkel irgendwann im russischen Trikot: Weil Besuschkow nur Länderspiele für sein Geburtsland Deutschland gemacht hat, als er jünger als 21 Jahre war, dürfte er für Russland spielen.
Vertragsgespräche stehen an
Noch ein Jahr läuft der Vertrag von Max Besuschkow beim SSV Jahn Regensburg. Sollte dieser nicht verlängert werden, dürfte Besuschkow ablösefrei wechseln. Vertragsgespräche gab es bisher aber noch nicht. Erste Priorität des Klubs war, den Klassenverbleib zu sichern. „Der Verein hat sich positiv zu Max geäußert“, sagt Besuschkows Berater Ingo Haspel aus Wendelsheim, „aber das hat jetzt auch noch Zeit.“ Besuschkow war 2019 von Eintracht Frankfurt zum Zweitligisten gewechselt. Die Eintracht hatte ihn zuvor unter anderem zum belgischen Zweitligisten Royal Union St. Gilloise nach Belgien ausgeliehen, wo Besuschkow in der Saison 2018/19 spielte.
 
 
Pressebericht von Tobias Zug/ Schwäbisches Tagblatt am 27.05.2021