„Ich war gefürchtet“

Ewald Wiedmaier über die Härte des Fußballers

Porträt über Ewald Wiedmaier
Ehemaliger Kapitän des FC Rottenburg und FCR Legende

Tagblatt AnzeigerErschienen am Mittwoch, den 27.11.2013
17.Jahrgang Nr.48

Früher, in der guten alten Zeit, kümmerten sich die Fußballer der Region nicht um ihre Frisuren.
Stattdessen polierten sie die Schienbeine ihrer Gegenspieler.

Gefürchtet - Ewald Wiedmaier vom FC Rottenburg

Bild. Privat

Ewald Wiedmaier, Jahrgang ’55, war ein Prototyp harter Gangart: „Ich kam im WM-Jahr 1966 zum FC Rottenburg. Mein Vorbild war Wolfgang Weber, das war einharter, konsequenter Spieler“, so Wiedmaier. Weber, Vorstopper des 1. FC Köln und der deutschen Nationalelf, spielte einmal mit gebrochenem Wadenbein weiter. Auch Wiedmaier, immer auf den besten Spieler des Gegners angesetzt, erwarb sich den Ruf des harten Knochens: „Ich war gefürchet“, sagt er heute nicht ohne Stolz. Einmal fragte ihn der Nehrener Enzo Gargiulo, gegen wen Wiedmaier an diesem Tag zu spielen habe. Als dieser antwortete, er, Gargiulo, sei „sein“ Mann, antwortete dieser: „Dann geh‘ ich lieber wieder nach Hause!“Legendär auch die Halbzeitansprache von FCR-Trainer und Ex-Profi Günter Kasperski an seinen Spieler Berthold Hallmayer: „Schauen Sie sich den Ewald an! Schicken Sie ihren Gegenspieler auch mal auf die Aschenbahn!“ Hatte einer der Spieler einen Bluterguss, gab ihm Kasperski ein Romanheftchen. Da sollte der Spieler reinbeißen, während der Trainer den Bluterguss mit den Händen verteilte. „Wenn deine Nasenspitze weiß wurde warst du fit“, so Wiedmaier zur damaligen Trainingslehre.Um roten Karten zu entgehen, habe er immer schnell Schiedsrichter und Gegner die Hand gegeben. Als AH-Spieler ereilte Wiedmaier der einzige Platzverweis. Ein Gegenspieler habe ihn angespuckt. „Da bin ich halt a bissle dra na g‘fahra.“ In dem Moment schaute der Schiri hin.

Quelle: Ein Artikel von Michael Sturm